Infektiöse Laryngotracheitis (ILT)
Die infektiöse Laryngotracheitis (ILT) ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die das Atmungssystem von Hühnern befällt. In der Geflügelindustrie wird sie häufig als „Laryngotracheitis“ (LT) bezeichnet.
Der Erreger, das ILT-Virus (ILTV), gehört zur Familie der Herpesviren und ist als Gallid-Herpesvirus 1 innerhalb der Unterfamilie Alphaherpesvirinae klassifiziert.
Infektionsverlauf und Persistenz
- Hühner jeden Alters sind anfällig für die Krankheit.
- Die Infektion führt zu einer lebenslangen Trägerschaft, wobei das Virus in einer latenten und persistierenden Form im Körper verbleibt.
- Die Virusausscheidung erfolgt intermittierend, insbesondere unter Stressbedingungen, die Reaktivierungen der Infektion begünstigen – ein typisches Merkmal dieser Virusfamilie.
Klinische Symptome der infektiösen Laryngotracheitis (ILT)
Die klinischen Symptome und postmortalen Läsionen der ILT lassen sich je nach Virulenz des Feldvirusstamms in drei Formen unterteilen:
1. Schwere oder perakute Form
Diese hochpathogene Verlaufsform zeichnet sich durch hämorrhagische Tracheitis, hohe Morbidität und eine Mortalität von über 50 % aus. Haupttodesursache ist Erstickung durch Trachealsekrete.
- Symptome: Husten, Stridor, Dyspnoe, Bluthusten
- Morbidität: >90 %
- Mortalität: 5–50 %
- Makroskopische Läsionen: Hämorrhagische Tracheitis
- Zusätzliche Folgen: Rückgang der Eierproduktion
2. Subakute Form
Die subakute Verlaufsform zeigt eine schrittweise Entwicklung mit hoher Morbidität und einer Mortalität von bis zu 20 %.
- Symptome: Stridor, seröser Tränenfluss, Bindehautödem
- Morbidität: Hoch
- Mortalität: Bis zu 20 %
- Makroskopische Läsionen: Mucoide Tracheitis mit Pseudomembranbildung
3. Leichte oder chronische Form
Diese Form tritt meist bei Vögeln auf, die zuvor an schwereren Formen der Krankheit litten. Sie kann eine verminderte Gewichtszunahme und reduzierte Legeleistung verursachen.
- Symptome: Stridor, seröser Tränenfluss, Bindehautentzündung, Nasenausfluss
- Morbidität: Variabel
- Mortalität: 0,1–2 %
- Makroskopische Läsionen: Bindehautödem, mucoide Tracheitis
Diagnose der infektiösen Laryngotracheitis (ILT)
Makroskopische Läsionen in Abhängigkeit von der Virulenz des ILTV-Stammes
Perakute Form:
- Schwere Blutungen in der Trachealschleimhaut
- Blutablagerungen entlang der Atemwege
- Blut, Schleim und nekrotisches Gewebe in der Trachea
Akute Form:
- Hämorrhagische Läsionen in der Trachea
- Schleimablagerungen in den oberen Atemwegen
Milde Form:
- Bronchitis, meist mit serösem oder mukopurulentem Exsudat
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
- Sinusitis, mit serösen oder mukösen Sekreten
- Epitheldegeneration, Nekrose und Schleimhautentzündung
- Mucoide Tracheitis mit entzündlicher Hyperplasie der Schleimhaut
Diagnostische Verfahren zur ILT-Erkennung
Die folgenden Tests stehen zur Diagnose der ILT zur Verfügung:
- Virusisolierung
- Direkte Immunfluoreszenz
- ELISA-Test zur Antikörperdetektion
- Konventionelle und Echtzeit-PCR zur Virusnachweis
- Histopathologische Untersuchung
Infektionsverlauf und Virusausscheidung
- Inkubationszeit: 6–12 Tage
- Virusausscheidung beginnt etwa 4 Tage vor dem Auftreten klinischer Symptome
- Aktive Ausscheidung dauert 7–10 Tage
ILT-Infektiosität in der Umwelt
Die Überlebensdauer des ILT-Virus hängt von Temperatur, Zeit und Substrat ab:
- Weniger als 30 Tage in Schlachtkörpern (bei 4–10 °C)
- 14 Tage in trockenen Abstrichen (bei 4 °C)
- 3 Tage in trockenen Abstrichen (bei 22 °C)
- 1–3 Tage in Einstreu (bei 38 °C)
- Weniger als 5 Tage in kompostierter Einstreu
Eine gezielte Diagnostik, Biosicherheitsmaßnahmen und effektive Impfstrategien sind entscheidend für die Bekämpfung der infektiösen Laryngotracheitis.
Übertragung und Infektionsdynamik
Die Infektion mit ILTV erfolgt hauptsächlich über aerogene und okulare Übertragung. Nach einer Einschleppung in einen Geflügelbetrieb besteht ein erhebliches Risiko der Weiterverbreitung auf benachbarte Bestände, entweder durch mechanische Übertragung (via Personal, Geräte, Fahrzeuge) oder durch aerosolierte Partikel über Luftströmungen.
Sobald sich ILT in einer Region etabliert, steigt die Ansteckungsgefahr für umliegende Betriebe erheblich.
Der Einsatz konventioneller attenuierter LT-Lebendimpfstoffe kann effektiv zur Ausbruchsprävention beitragen. Allerdings können diese Impfviren in geimpften Beständen persistieren und einen zyklischen Reinfektionsprozess begünstigen.
Durch Rekombination mit ILT-Feldviren besteht die Möglichkeit einer Rückkehr zur Virulenz, wodurch sich die Krankheit erneut in der Population ausbreiten kann.
Die Infektionsdynamik wird durch folgende Faktoren beeinflusst:
- Primäre Virusinfektion in der Herde
- Sekundäre Ausbrüche in umliegenden Betrieben
- Exposition empfänglicher Vögel gegenüber Feldviren
- Reservoir-Wirte wie Wildvögel oder Hinterhofgeflügel
- Persistenz und Verbreitung des ILT-Feldvirus innerhalb und zwischen Beständen
Die Häufigkeit von ILT-Ausbrüchen schwankt jährlich, abhängig von Umweltbedingungen und Biosicherheitsmaßnahmen.
Wichtige Erkenntnisse:
- Keine vertikale Übertragung – ILTV wird nicht durch infizierte Bruteier weitergegeben.
- Die Infektion bleibt praktisch auf Hühner beschränkt.
Prävention und Bekämpfung
Eine effektive Kontrolle von ILT erfordert eine systematische Kombination aus Biosicherheitsmaßnahmen und Impfprogrammen. Ein integriertes Präventions- und Bekämpfungskonzept ist entscheidend, um die Ausbreitung der Krankheit zu minimieren und wirtschaftliche Verluste zu reduzieren.
ILT in verschiedenen Produktionssystemen
- Masthähnchen und Legehennen: Kontrolle durch Biosicherheit und Impfung
- Masthähnchen: Prävention durch strikte Biosicherheitsmaßnahmen und Impfung in der Brüterei mit LT-Vektorimpfstoffen
- Hinterhof- und Ausstellungsvögel: Persistente endemische Infektion, selten mit ausgeprägtem Krankheitsverlauf
Der regelmäßige Einsatz konventioneller ILT-Lebendimpfstoffe als Notimpfung kann zur Etablierung der Krankheit im Betrieb und in umliegenden Beständen führen. Daher sind systematische Präventionsstrategien der beste Ansatz, um die Inzidenz von Feldfällen nachhaltig zu reduzieren.
Infektionswege und Schutzmaßnahmen
Das ILT-Virus wird über Aerosole und Fäkalien übertragen. Häufige Infektionsquellen sind:
- Einstreu und Federn, die Viren enthalten können
- Mechanische Vektoren, einschließlich Personal, Transportfahrzeuge und kontaminierte Ausrüstung
Zur Reduktion der Viruslast sollten physikalische Verfahren wie Erhitzung und Kompostierung sowie chemische Desinfektionsmaßnahmen konsequent angewendet werden.
Da ILT eine wirtschaftlich bedeutende Geflügelkrankheit bleibt, müssen Stallhygiene und Biosicherheitsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Langfristig sollte der Ersatz modifizierter Lebendimpfstoffe durch rekombinante Impfstoffe erfolgen, um:
- Latenzzeiten zu minimieren
- Rückmutation zu virulenten Stämmen zu verhindern
Aktuelle Herausforderungen bei Lebendimpfstoffen gegen LT
Konventionelle ILT-Lebendimpfstoffe (CEO aus Hühnerembryonen oder TCO aus Gewebekulturen) bieten zwar Schutz, haben jedoch zahlreiche Nachteile:
- Rückkehr zur Virulenz nach Rekombination mit Feldviren
- Chronischer Trägerstatus bei geimpften Vögeln
- Intermittierende Virusausscheidung, wodurch sich ILTV weiter ausbreiten kann
- Impfstoffreaktionen, die die Produktionsleistung beeinträchtigen
Eine präzise Überwachung der Herden, die Optimierung von Biosicherheitsmaßnahmen und der gezielte Einsatz moderner Impfstoffe sind entscheidend für die erfolgreiche ILT-Bekämpfung.
Warum ist ILT eine Bedrohung für die Geflügelindustrie?

Die infektiöse Laryngotracheitis (ILT) ist eine hochansteckende virale Atemwegserkrankung, die weltweit in Geflügelbeständen nachgewiesen wurde. Trotz intensiver Impfprogramme und Biosicherheitsmaßnahmen bleibt ILT eine wirtschaftlich bedeutsame Seuche, die erheblichen Schaden in der Geflügelindustrie verursacht.
Herausforderungen und wirtschaftliche Auswirkungen
- Hohe Morbidität und Produktionsverluste durch Atemwegserkrankungen und reduzierte Legeleistung
- Persistenz der Infektion in Beständen, da ILTV lebenslang latent bleibt und unter Stressbedingungen reaktiviert werden kann
- Einschränkungen im Handel, da ILT als meldepflichtige Tierseuche eingestuft ist
Meldepflichtige aviäre Erkrankungen gemäß WOHA (2019)
Die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOHA) hat ILT als eine von mehreren bedeutenden Geflügelkrankheiten gelistet, darunter:
- Infektiöse Bronchitis
- Newcastle-Krankheit
- Aviäre Influenza (HPAI und LPAI)
- Mykoplasmose (M. gallisepticum, M. synoviae)
- Gumboro-Krankheit (Bursitis)
- Pullorum-Krankheit
- Truthahn-Rhinotracheitis
- Geflügeltyphus
Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Geflügelindustrie
ILT verursacht erhebliche wirtschaftliche Verluste in der Geflügelproduktion, insbesondere bei hochpathogenen Infektionen, die mit einer Morbiditätsrate von über 90 % und einer Mortalitätsrate von mehr als 50 % einhergehen können. Die wichtigsten Folgen für die Produktion umfassen:
- Reduzierte Legeleistung und suboptimale Produktionsleistung
- Gewichtsverlust und Wachstumsstörungen
- Erhöhte Anfälligkeit für sekundäre Atemwegsinfektionen, darunter E. coli und Mycoplasma gallisepticum
- Direkte Mortalität in stark betroffenen Beständen
Um die wirtschaftlichen Verluste durch ILT zu minimieren, sind kombinierte Präventionsmaßnahmen entscheidend:
- Strenge Biosicherheitsprotokolle, um eine Einschleppung des Virus zu verhindern
- Gezielte Impfstrategien, um Feldinfektionen zu reduzieren
- Optimierte Überwachungsprogramme, um Ausbrüche frühzeitig zu erkennen
Die Kontrolle der ILT erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise, um die Krankheitsausbreitung zu begrenzen und die langfristige Stabilität der Geflügelproduktion zu gewährleisten.
Epidemiologische Bedeutung und globale Verbreitung
ILT ist eine weltweit verbreitete Krankheit und tritt besonders in Regionen mit hoher Populationsdichte und intensiver Geflügelproduktion gehäuft auf.
Seit ihrer ersten offiziellen Meldung im Jahr 1925 hat sich ILT zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Herausforderung für die Geflügelindustrie entwickelt. Die Morbiditäts- und Mortalitätsraten variieren jedoch stark in Abhängigkeit von:
- Virulenz des zirkulierenden ILTV-Stamms
- Impfstatus der Population
- Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in betroffenen Betrieben
Eine gezielte Krankheitsüberwachung, strenge Biosicherheitsmaßnahmen und optimierte Impfstrategien sind entscheidend, um Produktionsausfälle zu minimieren und die langfristige Rentabilität der Geflügelindustrie zu sichern.
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