Salmonellen
Salmonellose zählt zu den weltweit häufigsten Zoonosen und betrifft sowohl Menschen als auch Tiere.
Im Jahr 2022 war sie die zweithäufigste gemeldete Zoonose in der EU, wobei 65.208 Fälle registriert wurden – ein Anstieg von 5.039 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Weitere Details finden Sie im aktuellen Jahresbericht der EFSA und des ECDC zur One-Health-Zoonosenüberwachung in der EU 2022.
Da viele milde Infektionen weder diagnostiziert noch gemeldet werden, könnte die tatsächliche Zahl der Erkrankungen mehr als dreißigmal höher sein.
Salmonellen und ihre Bedeutung als Zoonoseerreger
Während grundsätzlich alle Salmonellen-Serotypen beim Menschen Krankheiten verursachen können, sind einige wirtsspezifisch und kommen nur in bestimmten Tierarten vor. Bei den meldepflichtigen Infektionen sind Salmonella Enteritidis (SE) und Salmonella Typhimurium (ST) besonders verbreitet – beide werden häufig mit Geflügelprodukten in Verbindung gebracht.
Eier und Eiprodukte stellen eine der Hauptquellen für bestätigte lebensmittelbedingte Salmonellenausbrüche dar. In Deutschland ist zumindest die Impfung gegen Salmonella Enteritidis (SE) verpflichtend für Legehennen, was die Krankheitsfälle erheblich reduziert.
Wirtschaftliche Auswirkungen & One-Health-Ansatz
Die durch Salmonellose bedingten Erkrankungen stellen eine enorme wirtschaftliche Belastung dar – laut der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit belaufen sich die jährlichen Kosten auf bis zu 3 Milliarden Euro.
Als bedeutende Zoonoseerreger sind Salmonellen ein zentraler Bestandteil des One-Health-Konzepts, das eine enge Verzahnung zwischen Veterinär- und Humanmedizin fordert. Der Fokus liegt auf der Bekämpfung zoonotischer Salmonellen in Tierbeständen, um das Infektionsrisiko für den Menschen zu minimieren.
Die häufigsten Salmonella-Serovare, die Infektionen bei Menschen und Nutztieren verursachen, gehören zur Unterart Salmonella enterica.
Innerhalb dieser Subspezies gibt es zwei Gruppen:
- Typhoide Salmonellen, die klinische Symptome hauptsächlich bei Vögeln hervorrufen
- Nicht-typhoide Salmonellen, die klinische Symptome beim Menschen verursachen (Achtman et al., 2012)
Salmonella Gallinarum und ihr Biovar Pullorum sind die beiden speziell an Vögel angepassten Erreger, die Geflügeltyphus bzw. die Pullorum-Krankheit verursachen.
Nicht-typhoide Salmonellen in Vögeln
Die übrigen Salmonellen, die Vögel infizieren können, werden als paratyphoid oder nicht an den Wirt angepasst bezeichnet. Besonders relevant sind jene Serovare, die in der Europäischen Union einer amtlichen Kontrolle unterliegen, da sie für die meisten Infektionen beim Menschen verantwortlich sind. Dazu gehören Salmonella Enteritidis, Typhimurium Infantis, Hadar und Virchow.
Übertragung und klinische Anzeichen
Salmonellen können sowohl horizontal als auch vertikal übertragen werden:
- Horizontale Übertragung:
Sie erfolgt direkt durch Kontakt mit infizierten Vögeln oder indirekt durch Vektoren wie Nagetiere, Wildvögel, Menschen oder kontaminierte Geräte. Das Risiko eines Ausbruchs steigt erheblich bei unzureichenden Biosicherheitsmaßnahmen, wodurch sich Salmonellen besonders in dicht gedrängten Vogelpopulationen rasch ausbreiten können. Zusätzlich spielen kontaminiertes Futter und Wasser als Infektionsquellen eine zentrale Rolle und verstärken die Ausbreitung innerhalb von Geflügelbeständen.
- Vertikale Übertragung:
Diese erfolgt entweder durch eine Kontamination der Eierschale während des Legevorgangs oder durch eine interne transovarielle Infektion des Dotters. Besonders problematisch sind Salmonella-Stämme wie Salmonella Enteritidis, die die Fortpflanzungsorgane von Hühnern besiedeln können. Infizierte Hennen übertragen die Bakterien auf ihre Eier, sodass schlüpfende Küken bereits infiziert sein können. Dies stellt eine erhebliche Herausforderung für Geflügelzüchter und Brütereien dar. - Krankheitsverlauf bei Geflügel
Bei ausgewachsenen Vögeln verläuft die Krankheit oft unbemerkt, während Jungvögel deutlichere Symptome zeigen. Zu den typischen Krankheitszeichen gehören Apathie, Wachstumsstörungen, Schwäche, Durchfall und Dehydrierung. In schweren Fällen kann die Infektion verheerende Folgen haben, da sie die Entwicklung der Jungtiere beeinträchtigt und die Sterblichkeitsrate erheblich erhöht.
- Klinische Symptome einer Salmonelleninfektion bei Vögeln
Die Ausprägung der Krankheit hängt sowohl vom Serovar als auch vom Alter der betroffenen Vögel ab. Während einige Infektionen mild verlaufen und kaum wahrnehmbare Symptome verursachen, können andere zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.
Während adulte Vögel oft asymptomatische Träger bleiben, sind junge Küken besonders anfällig und können schwerere klinische Symptome entwickeln. In schweren Fällen führt die Infektion zu Peritonitis, Septikämie und Tod. Asymptomatische Träger stellen eine Herausforderung für die Krankheitskontrolle dar, da sie das Bakterium intermittierend ausscheiden, die Umwelt kontaminieren und den Infektionszyklus aufrechterhalten.
Einfluss von Stress auf die Krankheitsentwicklung
Verschiedene Stressfaktoren in der Geflügelhaltung wie Überbelegung, mangelhafte Belüftung und unzureichende Ernährung können den Krankheitsverlauf verschärfen. Stress schwächt das Immunsystem der Vögel, erhöht ihre Anfälligkeit für Infektionen und begünstigt Krankheitsausbrüche.
Maßnahmen zur Infektionskontrolle
Eine Kombination aus guten Managementpraktiken und strengen Biosicherheitsmaßnahmen ist entscheidend, um das Infektionsrisiko zu minimieren:
- Strikte Hygieneprotokolle und regelmäßige Desinfektion der Anlagen
- Effektive Schädlingsbekämpfung zur Reduzierung von Infektionsvektoren
- Überwachung der Futter- und Wasserqualität
- Bezug von Vögeln aus Salmonellen-freien Zuchtbetrieben
- Routinetests zur Früherkennung von Salmonellenbeständen
- Impfprogramme gegen spezifische Salmonella-Serovare zur Stärkung der Immunität und Reduzierung der Infektionshäufigkeit
Durch die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen lässt sich die Verbreitung von Salmonellen in Geflügelbeständen erheblich eindämmen.
Die Geflügelindustrie muss dieser anhaltenden Herausforderung mit Wachsamkeit und proaktiven Maßnahmen begegnen, um die Gesundheit von Mensch und Tier nachhaltig zu schützen.
Diagnose und Behandlung von Salmonelleninfektionen
Diagnosemethoden
Zur Identifizierung von Salmonella-Infektionen stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:
- Kultur und bakterielle Isolierung:
Die gängigste Methode, bei der Salmonellen aus Proben gezüchtet und im Labor nachgewiesen werden.
- Serologische Verfahren (ELISA, PATSAT):
Diese Tests weisen Antikörper gegen Salmonella im Blut nach. Aufgrund von Kreuzreaktivitäten und anderen Faktoren kann ihre Zuverlässigkeit jedoch eingeschränkt sein.
- PCR-Techniken (Polymerase-Kettenreaktion):
Eine hochspezifische und empfindliche molekulare Methode, die Salmonella-DNA aus Proben vervielfältigt und dadurch eine genaue Identifizierung ermöglicht.
Probenentnahme
Bei Verdacht auf eine Salmonella-Infektion erfolgt die Probenentnahme aus:
- Inneren Organen (Leber, Zäkum),
- Fortpflanzungs- und Darmtrakt,
- Fäkalem Material.
Die isolierten Gewebe werden in speziellen Medien kultiviert, um das Vorhandensein der Bakterien zu bestätigen und eine gezielte Behandlung einzuleiten.
Strategien zur Bekämpfung und Vorbeugung von Salmonellen
Die Anwendung von Antibiotika zur Kontrolle von Salmonella-Infektionen ist umstritten. Aufgrund der Natur der Infektion erweist sich eine kontinuierliche Antibiotikabehandlung in Geflügelbetrieben als nur bedingt wirksam. Zudem birgt sie das Risiko der Entstehung von Antibiotikaresistenzen, was zur Verbreitung multiresistenter Stämme führen kann, die auch eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen.
Alternative Ansätze zur Förderung der Darmgesundheit
Neben Antibiotika können verschiedene Präventivmaßnahmen und unterstützende Behandlungen eingesetzt werden, um eine gesunde Darmflora zu erhalten und die Besiedlung mit Salmonellen zu reduzieren:
- Präbiotika, Probiotika, Postbiotika und Phytobiotika helfen, eine stabile und widerstandsfähige Darmflora zu fördern, die als natürliche Barriere gegen Salmonella wirken kann.
Impfung als Schutzmaßnahme
Eine wirksame Methode zur Reduzierung von Salmonella-Infektionen ist die Impfung. Dabei kommen sowohl Lebend- als auch Inaktivierungsimpfstoffe zum Einsatz, die dazu beitragen, die Verbreitung und Replikation der Bakterien einzudämmen.
Lebendimpfstoffe haben sich besonders bewährt, da sie:
- Die Besiedlung der inneren Organe, des Darms und der Fortpflanzungsgewebe verringern.
- Die Immunantwort der Vögel stärken, wodurch ein effektiverer Schutz vor der Infektion gewährleistet wird.
Durch die Kombination dieser Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Salmonella-Infektion in Geflügelbeständen erheblich reduzieren.
Biosicherheitsmaßnahmen zur Kontrolle von Salmonellenausbrüchen
Biosicherheitsmaßnahmen spielen eine entscheidende Rolle bei der Prävention und Bekämpfung von Salmonella-Infektionen in Geflügelbetrieben. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
- Strikte Hygieneprotokolle und regelmäßige Desinfektion der Anlagen
- Schädlingsbekämpfung, um Übertragungsvektoren wie Nagetiere und Wildvögel zu minimieren
- Überwachung der Futter- und Wasserqualität, um Kontaminationsquellen zu reduzieren
- Bezug von Vögeln aus Salmonellen-freien Zuchtbetrieben, um die Einschleppung des Erregers zu vermeiden
- Routinetests zur frühzeitigen Erkennung und Kontrolle von Infektionen innerhalb der Bestände
Ganzheitlicher Ansatz zur Krankheitskontrolle
Die Kombination aus frühzeitiger Diagnose, gezielter Behandlung und präventiven Maßnahmen trägt entscheidend dazu bei, die Auswirkungen von Salmonella-Infektionen in Geflügelbeständen zu minimieren und die Gesundheit von Tieren und Menschen nachhaltig zu schützen.
Vorbeugung und Bekämpfung von Salmonellen
Die Kontrolle von Salmonella-Infektionen erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der auf mehreren zentralen Maßnahmen basiert:
- Einsatz ausschließlich seuchenfreier Tiere in Geflügelbetrieben
- Strenge Biosicherheitsvorschriften, einschließlich effektiver Vektorkontrollen
- Untersuchung von Rohstoffen (insbesondere Futtermittel) auf Kontaminationen
- Umweltüberwachung durch regelmäßige Tests von Kot oder Einstreu mittels mikrobiologischer Kulturen und Isolierung
- Zusätzlich können Eibänder, Staub, Vektoren, Eierschalen und innere Organe untersucht werden, um Infektionsquellen zu identifizieren
- Förderung der Darmgesundheit durch Präbiotika, Probiotika, Postbiotika und Phytobiotika
- Impfstrategien, sowohl mit Lebend- als auch Totimpfstoffen, um die Replikation und Übertragung der Krankheit zu verringern
Die Kombination dieser Maßnahmen trägt entscheidend zur Prävention und Kontrolle von Salmonella-Infektionen bei und schützt sowohl die Tiergesundheit als auch die wirtschaftliche Stabilität von Geflügelbetrieben.
Bedeutung der Impfung gegen Salmonellen
Die gezielte Impfung gegen gängige Salmonella-Serotypen wie Salmonella Enteritidis (SE) und Salmonella Typhimurium (ST) spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz von Geflügelbeständen. Sie reduziert das Risiko lebensmittelbedingter Infektionen und trägt damit maßgeblich zur öffentlichen Gesundheit bei. Gleichzeitig stärkt sie den Ruf der Geflügelerzeuger, indem sie die Sicherheit und Qualität der produzierten Lebensmittel gewährleistet.
Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen gegen Salmonellen
Die Anwendung von Lebendimpfstoffen ist gut dokumentiert und trägt maßgeblich zur Bekämpfung von Salmonella-Infektionen bei. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag zur:
- Reduktion der Besiedlung in den inneren Organen, im Darm und im Gewebe des Fortpflanzungssystems
- Verringerung der Ausscheidung über Kot sowie der Übertragung durch die Eierstöcke, wodurch die Kontamination von Eiern und der Umwelt reduziert wird
- Minimierung der Anzahl von Trägertieren und Senkung der Infektionsprävalenz innerhalb des Bestands oder des Geflügelbetriebs
Durch den gezielten Einsatz von Lebendimpfstoffen kann das Infektionsrisiko erheblich gesenkt werden und die Ausbreitung von Salmonella-Erregern in der Geflügelhaltung wirksam eingedämmt werden.
Schlussfolgerung
Die Kontrolle nicht-typhoider Salmonella-Infektionen in Geflügelbeständen ist essenziell, um:
- Lebensmittelbedingte Erkrankungen beim Menschen zu verhindern und der One-Health-Verantwortung der Geflügelproduzenten gerecht zu werden.
- Den weltweit verschärften Vorschriften zur Salmonellenbekämpfung zu entsprechen, insbesondere in der EU und den USA.
- Den steigenden Exportanforderungen und -barrieren Rechnung zu tragen, die eine effektive Salmonellenkontrolle für Masthähnchenproduzenten, die international handeln, unerlässlich machen.
- Negative wirtschaftliche Folgen für betroffene Herden zu minimieren, da in vielen Ländern infizierte Zuchtherden dezimiert werden müssen oder Eier zur Wärmebehandlung mit geringerem Marktwert verarbeitet werden.
- Die Markenreputation von Eier- und Geflügelfleischproduzenten zu schützen, indem eine Kontamination der Produkte verhindert wird und das Vertrauen der Verbraucher gewahrt bleibt.
Ein proaktives Management sowie konsequente Biosicherheitsmaßnahmen sind der Schlüssel, um die Auswirkungen von Salmonella zu reduzieren und die Gesundheit von Mensch und Tier langfristig zu sichern.
Text von Jaime Sarabia Fragoso, VM – Global Veterinary Services Manager bei Ceva Santé Animale und Pascal Paulet, DVM – Global Poultry Marketing Director bei Ceva Santé Animale